Von Alkohol, Facebook, gescheiterten friedvollen Protesten und demolierten S-Bahnen

Da war mal wieder ein Genialist am Start: Ein Facebook User hat über das soziale Netzwerk ein letztes Mal vor dem Inkrafttreten des allgemeinen Alkoholverbots in Münchner Bahnen zu einem (Achtung, festhalten) „stillen“ Protest aufgerufen.

Ankündigung auf Facebook

„Stiller Protest“? Mit Bier? In München? War der Typ noch nie auf der Wiesn oder wie kann man so weltfremd sein??? Ich war da zwar auch noch nie, aber man hört doch jedes Jahr, wie’s da zugehen kann, wenn der Alk in strömen fließt. Wie die Telepolis treffender nicht schreiben könnte:

Um die 2000 zumeist junge Menschen folgten dem Aufruf, kamen in die S-Bahnen und pendelten zwischen Hackerbrücke und Ostbahnhof. Und damit wohl endlich was passierte, setzte die Billigversion der „Kreativität“ ein, nämlich Zerstörung und Vandalismus, blindwütig und eher Ausdruck einer Wohlstandslangeweile als einer Wut auf soziale Zustände oder Ungerechtigkeiten. Bestätigt wurde eben das, was der gute Mann, der eingeladen hatte und nun das Schlamassel zu verantworten hat, widerlegen wollte.

Telepolis

Die Stimmen auf der Event-Seite auf Facebook gehen teils auch weit auseinander, von Uneinsichtigkeit über Entrüstung bis zum Appell an die nutzlosen selbsternannten „Moralapostel“:

„Ganz im ernst.. Hört doch alle auf euch wie behinderte Kinder aufzuführen!! Hätten sie dieses scheiß Verbot nicht eingeleitet wäre es nicht zum Vandalismus gekommen. Also selbst schuld dran!! Und ihr Opfer könnt sagen was ihr wollt. ES WAR EIN GEILER ABEND!!! “

„Einfach nur ein hammer geiler abend
So viel positive stimmung
Uns so viele neue nettte leute kennen gelernt
Nur schade das vieles kaput gemacht wurde Und alles negativ geredet wird
… Man sollte es doch positiv auch sehen
Die leute haten spas waren eine gemeinschaft und haben neue leute kennen gelernt
Und das weckend wird keiner so schnell vergessen
Danke fur den geilen abend“

Nee, is klar. Andererseits kann ich nicht unbedingt von der Hand weisen, dass in Bayern sehr schnell mit Verboten um sich geschmissen wird, dass die Schwarte kracht. Allerdings kann man das dann auch so weiterspinnen, dass durch den Vandalismus verdammt hohe Kosten entstehen, die sich in gesteigerten Ticket-Preisen niederschlagen. Also hat diese Wohlstandslangeweile gepaart mit saufenden Teenies außer Rand und Band einen gewissen Synergie-Effekt, der sich ja anscheinend mit Verboten nicht eindämmen lässt. Oder es ist einfach nochmal der letzte große Knall, bevor den Saufköppen das Bier rechtswirksam gestrichen wird.

Es wird wohl noch seeeehr lange dauern, bis auch der durchschnitts Facebook DAU endlich begriffen hat, dass solche Aufrufe auf Facebook noch nie gut ausgegangen sind.

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