Was bedeutet das Aus der mobilen Version von Flash für das Web?

Ich weiß, diese News liegt (für Internetverhältnisse) schon wieder viel zu weit in der Vergangenheit. Aber ich bin einfach die letzte Zeit nicht dazu gekommen meinen Senf dazu abzulassen.

Adobe vs. Apple

Es ist ja nun offiziell, dass Adobes Flash für mobile Geräte (Smartphones) nicht mehr weiterentwickelt wird. Damit verlieren Apple-Gegner ihr wichtigstes Argument gegen iPhone, iPod und iPad. Speziell mir mit meinem iPad ging die Frage mit süffisantem Unterton langsam auf den Keks: „Kann das denn auch Flash?“ Nein, kann es nicht und das muss es auch nicht! Zum ersten kann mich die Flashwerbung dann mal kreuzweise und zum zweiten war Flash von Anfang an auf Bedienung mit Maus und Tastatur ausgelegt.

Es ist schon korrekt, dass Flash auf mobilen Plattformen ein einziges Desaster war, aber Flash war von Anfang an für mobile Plattformen einfach nicht konzipiert. Flashgames im Web werden ohnehin viel mehr auf vollwertigen PCs benutzt als auf einem Smartphone oder Tablet. Was somit auch die Überflüssigkeit von Flash auf mobilen Geräten untermauern dürfte: die meisten Flashgames sind bereits als App umgesetzt (z. B. das berühmt-berüchtigte Robot Unicorn Attack – das gleiche Spiel im AppStore und im Android Market), sodass es schon fast gar keinen Sinn mehr macht Flash in diese Plattformen zu integrieren. Andererseits gibt es tatsächlich massive Performance-Probleme auf den Geräten. Das lag aber auch hauptsächlich daran, dass die mobile Version von Flash (für Android) zig Hardwareplattformen berücksichtigen musste. Dieser Aufwand rechnet sich auf lange Zeit gesehen einfach nicht.

Der Schwarze Peter soll nun Apple zugesteckt werden, da sich der kalifornische Hersteller beharrlich dagegen sträubte Flash auf dem iPhone und iPad zu unterstützen. Seitens Apple hieß es immer wieder, dass Flash die Performance der Geräte in den Keller ziehe, was die Akkulaufzeit massiv beeinträchtige und Flash sowieso eine „tote Technologie“ sei; HTML5 sei die Zukunft! Der Vorwurf an Apple ist allerdings auch nicht ganz ungerechtfertigt, denn vor Androids Debüt war das iPhone omnipräsent. Damit hätte Flash im mobilen Markt breit Fuß fassen können. Stattdessen konzentrierte sich Apple aber mehr auf das kommende HTML5, das die Audio- und Video-Tags einführte und somit kein Plug-in mehr für das Abspielen von Ton- oder Videoinhalten benötigt wurde.

Bei Android und Google war das wieder eine völlig andere Geschichte. Da Android eine viel offenere Plattform war, war Flash hier einfacher möglich. Doch ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Flash auf Android bestenfalls Proof-of-Concept Status erreicht hat, da ich persönlich kaum Flash-basierte Websites auf meinem Handy besuche und es für YouTube ohnehin eine passendere App von Haus aus mitbringt (übrigens auch bei iPhone und iPad). Und selbst wenn man einen YouTube-Link antippt wird man in die jeweilige App umgeleitet.

Sicherheitstechnisch ist der Wegfall von Flash an sich eine positive Meldung, da über Flash gerne auch mal Schindluder betrieben wird wie über den Internet Explorer (höchstwahrscheinlich ein Synergie-Effekt durch die Bündelung von Flash und IE und der dadurch einhergehend hohen Verbreitung beider Programme). Aber das ist eher unbedeutend gegenüber der Tatsache, dass Google eine großen Zahl an Apps im Android Market vorzeigen kann, aber diesen nicht auf schadhafte Apps überwacht – nur auf Bescheid.

Webvideos

Apropos Webvideos: Solange sich die großen Browserhersteller nicht auf einen einheitlichen Standard einigen oder alle unterstützen (h.264, Ogg Theora, WebM, etc.) hab ich dazu eh nur eins zu sagen: kannste knicken! Das Wirrwarr um Lizenzen und Patente hemmt hier wieder mal die Innovation. Mal ein Überblick:

Browser h.264 Ogg WebM
Internet Explorer 9 Ja Nein Plug-in
Firefox Nein Ja Ja
Chrome Nein Ja Ja
Safari Ja Plug-in Plug-in
Opera Nein Ja Ja

Man muss die Tabelle nicht mal verstehen, um zu erkennen, dass der HTML5 Video-Tag ein einziger Clusterfuck ist. Proprietäre Hersteller (Microsoft, Apple) setzen bei HTML5 Videos auf h.264, welcher bessere Bilder liefern kann. Freie Hersteller (Mozilla, Google, Opera) vermeiden den Patentirrsinn und nehmen stattdessen lieber freie Formate wie Ogg oder WebM. Google unterstützte in Chrome früher auch h.264, hat aber dann seine eigene freie Alternative WebM entwickelt und h.264 den Laufpass gegeben. Versteht mich nicht falsch, die Idee hinter HTML5 Videos finde ich gut, aber solange sich die Browserhersteller nicht endlich mal einig werden, was jetzt der Standard sein soll oder einfach alles unterstützen, wird Flash wohl als de facto Standard Videoplayer für alle Plattformen bestehen bleiben. YouTube hat zwar einen HTML5 Player, allerdings muss man dabei mit Einbußen bei der Funktionalität rechnen (keine Anmerkungen, keine Untertitel, etc.), also auch nur eine bedingte Lösung.

Fazit

Welche Auswirkungen hat der Wegfall von Flash auf mobilen Plattformen denn nun auf das Web? Ich würde mal sagen keinen. Zumindest keinen großen. Oder sogar nennenswerten. Die Stärke von Flash liegt meiner Meinung nach ohnehin mehr auf Desktop Plattformen als im mobilen Bereich. Die Desktop-Version von Flash wird es noch länger geben, HTML5 Video hin oder her. Im mobilen Bereich spielte es aber bisher schon immer eine etwas untergeordnete Rolle, da man sein Handy höchstens ein paar Sekunden bis Minuten in der Hand hat und dann wieder wegsteckt. Das App-Angebot von Andoid und iOS ist groß genug. Und auf den sowieso zu kleinen Bildschirmen machen Flash-basierte Webseiten ohnehin keinen Sinn. Ich trauere Flash auf meinem Android Smartphone nicht hinterher – von meinem iPad mal ganz zu schweigen. Auch auf Android Tablets sehe ich die Daseinsberechtigung für Flash auf sehr wackeligen Beinen, mal ganz abgesehen davon, dass sich die Dinger nicht mal richtig gegen das iPad durchsetzen können. Und das obwohl die Flash könnten! Faux pas!

Jedoch für Animationsfilmchen, wie die auf Newgrounds oder Weebl’s Stuff, sehe ich durchaus noch eine Berechtigung für Flash. Die Umstellung wäre wohl ohnehin ein so hoher Aufwand, da dauert es noch lange, bis Flash den Löffel endgültig abgibt. Zumindest die Desktop-Version.

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