In eigener Sache: schlechte Laune

Wie mir zu Ohren gekommen ist, sind einige der Auffassung ich hätte nur noch schlechte Laune. Mal ganz abgesehen davon, dass das nur die halbe Wahrheit ist und ich es ziemlich enttäuschend finde mich darauf persönlich nicht ansprechen zu können, möchte ich euch auch nicht vorenthalten, woran das liegen könnte. Ich sage bewusst könnte, weil ich mir selber noch nicht ganz im Klaren darüber bin, welche Ursachen das hat, aber ich habe mir einige Gedanken darüber machen können.

Meine Arbeitssituation

Ich befinde mich derzeit im dritten Lehrjahr und muss als Fachinformatiker bald einen Projektantrag bei der IHK einreichen über den ich vortragen werde. Auf der einen Seite habe ich keinerlei Ahnung was ich einreichen soll, auf der anderen habe ich nicht mal die Ahnung wie ich es aufziehen soll, weil meine Firma eine Ausbildung anbietet, für die niemand die Kompetenzen besitzt. Oder um es einfach zu formulieren: kein Schwein hat eine Ahnung davon was er mir beibringen soll. Schon als ich dort angefangen habe musste ich ständig Autodidakt spielen (mir alles selbst aus Büchern beibringen). Als wären das nicht schon genug beschissene Perspektiven für mein weiteres Berufsleben werde ich seit Oktober letzten Jahres nicht mal mehr dafür bezahlt mir den Arsch plattzuhocken. Ich dachte eigentlich ich beginne eine Ausbildung, um dann auch für diesen Beruf ausgebildet zu sein und nebenbei noch ein bisschen was zu verdienen, aber ich bekomme weder das eine noch das andere.

Man könnte jetzt natürlich sagen: Dann bewerb dich doch einfach irgendwo anders. No fucking Shit! Ich habe aber gerade schon bei einer Firma angerufen die mich abgelehnt hat und als ich nach dem Grund gefragt habe hieß es nur:

„Ihre Bewerbung war schon aussagekräftig, aber das hat der Chef eben so entschieden.“

Wirklich ganz toll. Da will man sich verbessern, um bessere Chancen zu haben und dann sowas.

Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber ich habe zurzeit kein geregeltes Einkommen und muss jeden Monat genauso Rechnungen bezahlen. Im Grunde genommen könnt ich hartzen gehen und es würde keinen Unterschied machen (ich verdiene gerade mal 400 EUR, wenn überhaupt) außer, dass ich dann indirekt auf eure Kosten lebe und so ein Gedanke widerstrebt mir. Und dazu kommt noch, dass mir eigentlich die Grundvorraussetzungen fehlen den Beruf des Fachinformatikers ergreifen zu können, namentlich Mathe. Als Wirtschaftsschüler hat man da kaum eine Chance. Unterm Strich haben mich meine Chefs um 1.200 EUR geprellt, sprich 4 Monatsgehälter. Nicht gerade ein Grund zum Jubeln. Von diesem Standpunkt aus kann ich es wiederum nicht nachvollziehen, warum verallgemeinert behauptet wird, ich hätte nur noch schlechte Laune. Ich möchte euch mal sehen wie ihr nach nem halben Jahr drauf seid, wenn ihr eurem sauer verdienten Geld ständig hinterherrennen müsst.

Mal ganz abgesehen davon, wie würdet ihr euch fühlen, wenn eure Chefs die Kohle lieber auf den Kopf kloppen, um sich ein MacBook für 1.700 EUR, Apple LED Displays für 840 EUR, Bergsteigerschuhe für 135 EUR, Kabellose Headsets für 70 EUR (obwohl wir noch einwandfreie kabelgebundene auf Arbeit rumfliegen haben, für jeden Arbeitsplatz mindestens eins), Schuhe von Adidias, Puma, etc. für 180 EUR und ne externe Festplatte mit 1 TB für 88 EUR zu leisten. Zusammen mit anderem kleineren Krams summiert sich das alles auf unverschämte 3.870 EUR, die nicht in den Betrieb eingeflossen sind. Ganz abgesehen davon lag dem MacBook Windows 7 Professional und Parallels Desktop 6 bei. Man kauft sich ja auch nen Mac um Windows drauf laufen zu lassen, was für ein Schwachsinn!

Dazu kommt noch, dass Arbeitgeber in den letzten Jahren dermaßen verwöhnt geworden sind was die Bewerber angeht und was sie schon out-of-the-box mitbringen, dass ich einfach beschissen dasteh und das Nachsehen hab. Dass ich in meiner jetzigen Firma untergekommen bin grenzt an ein Wunder und war mehr Glück als Verstand, denn ich bin über die Einstiegsqualifikation reingekommen. Hätte ich damals schon gewusst, wie sich mein jetziger Arbeitgeber selbst herunterwirtschaftet, hätte ich nach dem einen Jahr wieder meinen Hut genommen und nochmal über 100 Bewerbungen geschrieben bis mir der Arsch platzt.

Aber selbst dann: Was hätte ich in meiner damaligen Situation tun sollen? Ich hatte eigentlich nicht die nötigen Grundvoraussetzungen und es war schon immer mein Traum mein Hobby zum Beruf zu machen und zu was anderem tauge ich auch nicht wie Buchhalter oder so (einige wissen auch warum). Das war mir schon zu meiner Schulzeit klar. Ich bin ein praktisch veranlagter Mensch, bei zu viel Theorie ohne jegliche Praxis bleibt bei mir nichts hängen.

So wie es jetzt aussieht hab ich mehr das Gefühl, dass ich nach wie vor Schüler mit Abschluss aber ohne Ausbildung bin. Und das ist einfach niederschmetternd und ein Armutszeugnis.

Fehlendes Geld belastet Beziehung

Übrigens ist mein Freund schon seit knapp 4 Wochen hier. Wir haben ihn an einem Sonntag extra aus NRW abgeholt, weil er seine Situation daheim beklagt und mein Vater sich ein Herz gefasst hat knapp 500 km am selben Tag hin und zurück zu fahren. Als dann mal ein Monatsgehalt wieder drauf war (5 – 1 = 4) hab ich mir wieder ein paar Dinge geleistet (er hat davon natürlich auch was abbekommen) und mind. 60 EUR auf’m Konto gelassen, damit die nächste Handyrechnung gedeckt ist.

Mit der Zeit kehrte dann aber wieder die Langeweile ein und mir der Langeweile der Frust. Da uns das Geld fehlte, um noch wegzugehen (Kino, Café, Pub, etc.) und nicht jeder zeitgleich Urlaub/Ferien mit mir hat, lagen wir uns irgendwann auch nur noch auf den Nerven. Für mich ist es zwar kein Problem den ganzen Tag daheim rumzulungern, da ich mich selbst beschäftigen kann, mein Freund ging mir aber irgendwann dann auch allmälig auf die Nerven, weil er sich ständig über Langeweile beklagt hatte. Zwar hat er mit meiner 16.000er Leitung sehr viel Spaß gehabt (sprich: Spiele runterladen bis der Arsch platzt (oder meine Festplatte)) aber die hat er auch nur maximal 30 Minuten gespielt, dann war’s auch wieder langweilig.

Ich konnte mich derweil prima mit Zelda: Ocarina of Time 3D und Pokémon Schwarz die Zeit vertreiben, aber bei meinem Freund ist leider der meiste Spaß sehr kurzlebig. Und ich hab leider nur einen Rechner der spieletauglich ist. Es kam auch schon vor, dass ich mit ihm drum streiten musste, dass ich an meinen eigenen Rechner darf, wenn ich mal was dran machen wollte (ich spiel da ja nicht nur dran). War was?

Zwischenmenschliches

Dass meine schlechte Laune auch den ein oder anderen vergraulen mag wundert mich nicht. Ist ja ne normale Reaktion. Nur zurzeit seh ich mich auch so vielen Problemen anderer gegenüber, die diese genauso nicht angehen (keine Freundin/kein Freund, Aussehen, Gewicht, erst kürzliche Trennung, „Langeweile“, etc.) und das geht irgendwann auch auf den Sender, wenn es nur noch um Probleme geht von denen ich selbst schon genug hab. Ich weiß das könnte man so auffassen als Wasser predigen und Wein trinken, aber den ersten Schritt zur Beseitigung des Problems sollte man schon mal tun und nicht ständig mit irgendwas kompensieren.

Wie geht’s weiter?

Zuerst mal muss ich mich jetzt ranhalten woanders unterzukommen. Wenn das mal klappen sollte werd ich mir einen Anwalt suchen und meine restlichen 1.200 EUR einklagen, auch wenn’s den Betrieb umbringt. Außerdem wäre es vielleicht zwecks der ausgleichenden Gerechtigkeit an der Zeit von meinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch zu machen und nicht mehr auf Arbeit zu erscheinen, solange ich dafür nicht bezahlt werde. Ausgebildet werd ich ja so oder so nicht und daheim bin ich auch noch um längen produktiver. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch alles gut aus geht. Was das Zwischenmenschliche angeht: vielleicht lass ich da nochmal mit mir reden, aber dann nur mit einem ernsthaften Grund aus dem sich erkennen lässt, dass demjenigen was bedeutet.

2 Gedanken zu “In eigener Sache: schlechte Laune

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