Archiv der Kategorie: Politik

Das Internet auf Messers Schneide

Am 18. Januar 2012 wurde im gesamten Netz gegen die Gesetzesentwürfe Stop Online Piracy Act und PROTECT IP Act protestiert, die das Internet in seiner Form, wie wir es kennen, bis zur unkenntlichkeit verkrüppeln könnte. Der Stop Online Piracy Act (SOPA) ist ein Gesetz, das – sollte es abgesegnet werden – dem Internet in seiner Offenheit und Freiheit Schaden von noch nicht abschätzbarem Ausmaß zufügen kann. Und ich rede dabei von einem Schaden der bei mindestens astronomisch beginnt!

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Wenn’s mit dem einen Verbot nicht klappt, klatsch eins drüber

Das soll mir echt mal einer erklären: Erst werden die Raucher aus den Gaststätten gescheucht und dann werden denen im Winter draußen jetzt auch noch die Heizpilze weggenommen.

Falls einem der Begriff nichts sagt, das sind diese Heizstrahler in Laternen- bzw. “Pilzform”, die mit Strom oder flüssigem Propangas Wärme erzeugen.

Speziell in der Außengastronomie erfreuen sich diese großer Beliebtheit, weil man dann selbst bei dem saukalten Wetter gerne mal draußen sitzen bleibt. Den Grünen in Koblenz ist das aber ein Dorn im Auge. Die Wärmespender sollen angeblich im Jahr genauso viel CO2 in die Luft pusten wie ein Auto oder ein Einfamilienhaus. Stattdessen werden Wolldecken vorgeschlagen. Steinzeit oder was?

Vielen Unternehmern ist die Investition in die Decken skurrilerweise allerdings zu teuer, sie hätten ja schon die Heizpilze angeschafft. In Nürnberg, Stuttgart, Köln und anderen Städten wurden sie schon verboten. Grundsätzlich ist ja nicht dagegen zu sagen, wenn man unser eh schon verhunztes Klima noch retten will, aber ich muss bei dieser “Verbotsgesellschaft” in der wir heutzutage leben doch fazialpalmieren. Ja ja, unsere lieben Politiker und ihre maximale Gehirnleistung zwischen zwölf und Mittag.

Der feuchte Traum vom Überwachungsstaat

Vielleicht ist das an euch ja vorbei gezogen, weil ihr euch um Politik nicht so ganz kümmert, oder auch nicht, weil der Staatstrojaner ja ein ziemlich heißes Eisen in letzter Zeit ist. Aber zurzeit ringen die beiden Hashtags #Uhl und #Gaddafi auf Twitter um den ersten Platz bei den Toptweets. Und ich würde sogar behaupten, dass das daran liegen kann, dass einer der beiden Demagogen erst letztens umgekommen sein soll – und damit meine ich nicht Uhl!

Dessen verzerrtes Weltbild und Hetze gegen den CCC, der den bayerischen Staatstrojaner entlarvt hat, klingt genau nach dem, was man von einer Partei erwarten kann, die sich noch nie selbstkritisch gesehen hat.

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Wenn die Erbe bebt und das Meer verschlingt

Entsetzlich, was in Japan passiert ist. Das Sendai-Beben war mit 8,9-9,1 auf der Richterskala das stärkste Beben, das Japan jemals heimgesucht hat. Tausende von Menschen wurden getötet (derzeit sind 1.700 gemeldet) oder werden noch vermisst, viele Gebäude zerstört (das Beben hat selbst den Tokio Tower verbogen) und die schwarzen, verdreckten, teilweise noch brennenden Fluten verschlingen die Straßen. Doch das ist noch nicht das schlimmste. Wie derzeit berichtet wird stehen mehrere Kernkraftwerke Japans kurz vor der Kernschmelze!

Durch das Beben kam es zu Lecks, durch die das Kühlwasser für die Brennstäbe ausgewichen ist. Ebenso sind die Kühlsysteme ausgefallen sodass sich der Druck in den Reaktoren ständig erhöht – selbst die Reservekühlung hält nur wenige Stunden und man spritzt Kühlmittel von außen ein. Im Atomkraftwerk Fukushima I ist es bereits zu einer Explosion gekommen. Warum und was ist aber nicht bekannt. Derzeit wird noch festgestellt, was die Explosion verursacht hat. Um zusätzlich noch zur Kühlung beizutragen soll mit Bor vermengtes Meerwasser herangeschafft werden. Atomexperten schließen eine begonnene Kernschmelze nicht aus. Gut sieht es nicht aus: die Strahlung steigt um Fukushima bereits über den Grenzwert und 15 Anwohner werden bereits als verstrahlt gemeldet. Die Regierung musste inzwischen zugestehen, dass Strahlung aus dem explodierten Reaktor austritt. Dass sich die Regierung so lange damit zurückgehalten hat ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, einer Gefahr durch Massenpanik den Nährboden zu entziehen.

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Als Vorsorge wurde die Umgebung von 20 km Radius evakuiert. An die Anwohner werden derweil Iod-Tabletten verteilt um gesundheitlichen Folgen zuvor zu kommen. Derzeit werden auch schon weltweit Hilfstrupps ausgesandt, die Japan unterstützen sollen. Auch mit einem Google-Suchtool kann man nach Personen suchen oder Informationen über sie einschicken.

Derweil in Deutschland brüskieren sich massenhaft Atomgegner auf den Straßen Baden-Württembergs mit kilometerlangen Demonstrationszügen. Wahrscheinlich hat da jemand seine Chance gerochen hier auch noch Terror zu machen, wenn man sich eigentlich um den Moment mehr Sorgen machen sollte. Obwohl ich verstehen kann warum, kann ich nicht sagen, dass ich es in der gegenwärtigen Situation für gut befinden kann. Das können die machen, nachdem die Gefahr von ausweichender Strahlung gebannt ist. Ich befürchte durch solche aufgebrachte Massen eher eine Behinderung als eine Besserung der Gesamtsituation. Der Spiegel dazu:

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Im Wahlkampf in Baden-Württemberg ging es bislang um Stuttgart 21 und Bildung – jetzt könnte das Thema Kernkraft alle anderen verdrängen.

Da muss ich mich ernsthaft fragen welcher Knacks schlimmer ist: der im Kopf der Deutschen oder einem Kernreaktor (sorry, aber dieses ständige rummeckern und die Panikmache der Deutschen gerade in einer solchen Situation finde ich zum Kotzen). Auch in Koalition und Opposition machen sich Stimmen laut die Atomtechnologie neu zu bewerten. Dass Japan aber besonders erdbebengefährdet ist sollte jedem klar sein – das ist eben so, wenn man gleich auf drei tektonischen Platten wohnt, die sich ständig aneinander reiben. Aber solche Erdbeben sind in Deutschland unter diesem Aspekt mehr als unwahrscheinlich. Und Flutwellen werden wohl eher von Großbritannien oder Norwegen abgefangen, bevor wir davon irgendwas an unseren Küsten mitbekommen. Was die neu angestoßene Atom-Debatte allerdings bringt bleibt noch abzuwarten.

Ich fühle mich durch die Bilder ebenfalls entrüstet. Ich will mir nicht vorstellen, wie es sein muss so was durchleben zu müssen. Angesichts des drohenden Atomunglücks sind die Schäden durch Verwüstungen des Tsunamis schon beinahe winzig und eher in den Hintergrund gerückt. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und ich hoffe, dass das Schlimmste verhindert werden kann.

Weblinks

Erdbeben erschüttert Japan – Spiegel Online
Sendai-Erdbeben von 2011 – Wikipedia
Alles über den Tsunami in Japan – Focus Online
Energie- und Klima-News auf Telepolis

Ein alter Hund lernt neue Tricks nur schwer

Als ich gelesen habe, dass der Bundestag sich zusammensetzen will, um zusammen zu “zocken” dachte ich erst ich spinn! Unsere alten Politwracks wollen sich doch tatsächlich sachlich mit dem auseinandersetzen, das sie die letzten Jahre vehement verbieten lassen wollten. Ein schlechter Scherz möchte man meinen.

Doch dieses Treffen fand tatsächlich statt – mit eher ernüchterndem Ausgang.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es toll, dass sich unsere Politiker mit einem Stück Alltag der heutigen Jugend befassen um sich von der großen Befangenheit befreien zu lassen. Nur das beinhaltet auch, dass diese dazu bereit sind. Natürlich gab es vorab die Meinung, dass so ein Zusammentreffen unwichtig, sinnfrei, abstoßend oder gar verhöhnend sein würde. Und dreimal dürft ihr raten, woraus sich diese Meinung abgeleitet hat: von dem Phänomen das die Klatschpresse ausgiebig als “Killerspiele” bezeichnet und aus vielen Köpfen nicht mehr rauszukriegen ist. Eben sowenig bemüht man sich bei den Geschmäckern der Jugend oder den vielen Genres in die sich die Spiele einordnen lassen zu differenzieren.

Mein Lob geht dabei an alle Politiker, die sich ernsthaft bei dieser Zusammenkunft mit der Thematik beschäftigen wollten. Zwar hat man sich Die Siedler erklären lassen und sich an Autorennspielen versucht, aber so manchem wie Brigitte Zypries wurde dabei “schlecht” (hat die Kurve wohl doch zu schnell angeschnitten). Sie habe an gewöhnlichen Brettspielen mehr Spaß und auf ihrem iPhone habe sie auch nur Solitär installiert, um die Zeit in den Öffentlichen zu überbrücken. Schade eigentlich. Aber immerhin gehört sie zu denjenigen, die den Vorschlag für gut befanden sich mit Fachkundigen aus der ESL (Electronic Sports League) zusammenzusetzen anstatt planlos daheim rumzudaddeln und bei seiner festgefahrenen Meinung zu bleiben – oder einfach so weiter dagegen zu wettern bei Geschäftsessen mit diversen Lobbys.

“Verbote müssen immer die Ultima Ratio bleiben.”

Burkhardt Müller-Sönksen, FDP-Medienexperte

Der FDP-Politiker versuchte sich an Counter-Strike. Aggressiv soll es ihn nicht gemacht haben, er könne sich allerdings vorstellen, dass für “einzelne, sonst über wenig soziale Kontakte verfügende Daddler möglicherweise ein “Rausch” ausgehe.” Obwohl er jedoch betonte, dass nicht das Bild vermittelt werden sollte, dass jetzt alles super-toll und spannend ist, distanzierte sich Müller-Sönksen von den Forderungen der Konservativen, Spiele zu kriminalisieren.

Im Vordergrund der Veranstaltung, die von Mitgliedern der FDP angestoßen wurde, stand primär ein heranführen an ein Hobby vieler Jugendlicher und junger Erwachsener mit einer breiten Palette an Spielen – vom Ballerspiel bis hin zu Geschicklichkeits-, Bewegungs- und Knobelspielen. Das in den Köpfen vieler betagter Parlamentarier festsitzende, überholte Bild des vereinsamten Zockers sollte aus eben diesen Verschwinden. Sehr überrascht hat mich hierbei die CSU-Politikerin Dorothee Bär, die folgende Frage aufwarf:

“Wieso bekommen gewaltverherrlichende Filme wie “Inglourious Basterds” einen Oscar, während bei vergleichbaren Games häufig nur nach der Indizierungsstelle und dem Gesetzgeber gerufen wird?”

Respekt, sowas von den Konservativen in diesem Zusammenhang zu hören lässt mich schon fast noch hoffen, dass Hopfen und Malz nicht ganz verloren sein könnten. Auch viele Innen- und Rechtspolitiker nahmen an der Veranstaltung teil um sich hautnah mit dem Thema Computerspiel zu befassen, um sich ein eigenes Bild machen und sachlich, fundiert und offen mit dem Thema umgehen zu können. Allerdings sind sich eben nicht immer alle einig, was sich ja schon in der Vergangenheit allein mit Schwarz-Gelb gezeigt hat.

“Ich finde es unverständlich, wozu ich lernen sollte wie man ein Killerspiel wie Counter-Strike spielt, das üble Instinkte im Menschen weckt.”

- Hans-Peter Uhl, Innenpolitischer Sprecher CDU/SCU

Was erwartet man auch von einem ü60er in der Politik? Üble Instinkte weckt das in mir auch (die Aussage und der Standpunkt, nicht das Spiel). Wobei wir dann wieder wunderbar die Debatte eröffnen könnten, warum die Spiele nicht der Auslöser sind. Aber nicht auch nur Politiker, sondern auch der Vater eines Opfers vom Amoklauf Winnenden zeigte sich empört. Er verstünde nicht, warum sich gerade Politiker zusammensetzen, “um zu lernen wie man virtuell tötet.” Insofern fand ich Bärs Gegenargument gut gewählt; ohne das Shooter-Genre wäre diese Ganze veranstaltung lächerlich gewesen, weil es nämlich genau darum geht festzustellen, wo die kleinen aber feinen Unterschiede liegen. Nur weil jemand sein gefährliches Hobby nicht ordnungsgemäß vor anderen Absichern kann, können Spiele schon mal gleich gar nichts dafür. So viel mal zu meinem Gegenargument. Ich versteh sowieso nicht warum bei Örtchen weiter abseits von Städten der potentiell gefährlichere Schützensport ein höheres Ansehen genießt, als Shooter. Das ist wieder so eine unsinnige Doppelmoral wie sie schon zu oft auf der Welt vorkommt. Und überhaupt: Ich möchte mal sehen wie bei Wii Fit jemandem am Bildschirm die Kehle aufgeschlitzt wird… *facepalm* So viel zum Thema “Differenzierung”.

Was andererseits unsere Drogenbeauftragte der Bundesregierung sich vorstellt, bei so einem Event als selbsternannte “Spielverderberin” aufzutauchen und über Spielsucht zu labern entzieht sich meiner Logik. Ich finde eine Teilnahme, wenn man schon hingeht um nur gegen den Inhalt zu wettern, hätte sie sich sparen können. Weil wenn man der ganzen Sache schon negativ gegenüber eingestellt ist, was von Sucht labern will und dann meint, mit derlei Zeitvertreib nichts zu tun haben zu wollen, der sollte so ein Amt nicht bekleiden, das ist einfach inkompetent und dient auch nur der Selbstpolitur; ganz besonders, wenn man nur mit Buzzwords argumentieren kann, deren Bedeutung man nicht weiter hinterfragt. “Seht mich an, ich bin so kompetent und traue mich in neue Gewäss– Ihh, mach’s weg!” *kopfschüttel* Wenn man schon über was lamentiert, sollte man doch auch Ahnung von der Materie haben. Setzt nun mal einfach voraus, dass man etwas Zeit damit verbringt und sich drauf einlässt, seinen Horizont umfassend zu erweitern.

Hoffentlich hat das Event ein bisschen dazu beigetragen, dass nun auch so sachlich, fundiert und offen mit dem Thema umgehen kann und im Bundestag ein Umdenken stattfindet.

Eure Meinungen zu dem Thema sind ebenfalls erwünscht. Beiträge können als Kommentar hinterlassen werden.

Quellen

Bericht auf heise.de
Bericht auf Computerbase.de mit Fotostrecke (Einige scheinen sich doch etwas in die bösen Killerspiele reinzusteigern)

Don’t ask, don’t tell bleibt bestehen

Homosexuelle Streitkräfte weiterhin unerwünscht

Als Obama in den USA für das Amt des Präsidenten kandidierte versprach er „Don’t ask, don’t tell“ abzuschaffen. Jetzt ist er allerdings vor dem Senat knapp gescheitert.

„Don’t ask, don’t tell“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „Nicht fragen, nichts sagen“ und bezieht sich auf die Verschweigung der eigenen Homosexualität beim Eintritt ins US-Militär. Diese sind nämlich per Gesetz vom US-Wehrdienst ausgeschlossen. In wie weit man hier wieder die Religionsverliebtheit, für die die USA ja nun nicht unbekannt ist, verantwortlich machen kann, vermag ich nicht auszumachen.

Fakt bleibt, dass sich die Regierung weiterhin vehement in ihre alten Wertvorstellungen verbeißt, egal wie sehr Obama sich Mühe gibt, „Change“ herbeizuführen. Dabei sind Schwule und Lesben doch schon sehr gut in der Gesellschaft angekommen. Oder zählen sich die Republikaner nicht mehr zur einfachen Gesellschaft? Wenn selbst die USA es nicht hinbekommen, Israel aber schon, dann stimmt doch irgendwo was nicht. Erst recht nicht, wenn die Leute entlassen werden und für über $ 300 Mio. ersetzt werden müssen, was eine Milchmädchenrechnung.

Weblinks

Weiter kein Militärdienst für bekennende Homosexuelle – tagesschau.de
Israel: Armeechef pro Homos – queer.de

Don’t ask, don’t tell – Wikipedia

Party in der Sardinenbüchse

Jeder wusste, es würde schief gehen

Selbst Wochen nach dem Unglück auf der Loveparade 2010 reißen die erhitzten Diskussionen um die Ursachen nicht ab. Sie erhitzen sich sogar noch immer weiter! Seit dem Unglück schieben sich Adolf Sauerland, Veranstalter und Polizei gegenseitig den Schwarzen Peter zu, sodass niemand mehr wirklich sagen kann, wo es nun gehapert hat.

Ich bin zwar alles andere als von dem Unglück betroffen, doch der Streisand-Effekt hat nun schon mehrmals meine Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Ich hab selber mal nachgeforscht und dabei herausgefunden, dass so viele Augenpaare auf derart belastender Weise auf Duisburg gelegen zu haben scheinen, dass jeglicher Sinn und gesunder Menschenverstand auf der Stecke geblieben sein muss. Das ist in meinen Augen aber noch lange keine Entschuldigung dafür, über 1 Mio. Menschen ernsthaft auf ein Gelände buchsieren zu wollen, dass für nur 250.000 ausgelegt war. Die Veranstaltung hat nämlich seither stetig steigende Besucherzahlen verzeichnen können.

“Oh Gott, das ist aber schade – und nicht gut für das Image des Ruhrgebiets. Ich hoffe nicht, dass nun auch noch die Love Parade 2010 ausfällt – zumindest die muss jetzt stattfinden.”

– Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff über Bochums Absage der Loveparade 2009

Nicht nur, dass die beteiligten in ihrem beständigen Glauben waren eine feiernde, u. U. auch angetrunkene Masse von Ravern dieses Kalibers zivilisiert und gutbehalten durch einen Tunnel – den einzigen Weg auf und von dem Gelände – quetschen zu können, der zu einem viel zu kleinen stillgelegten Güterbahnhof führte. Nein, es wurden sogar wahrlich auf den letzten Drücker noch Gutachten als beglaubigt abgestempelt, nur mit dem einen Gedanken den Ruhrpott als “frische, dynamische, bunte und leistungsfähige Region” darzustellen. Wie sich gezeigt hat, war den Besuchern egal, ob der Tunnel schon restlos überfüllt war. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Vermutlich dachten das auch die Veranstalter, sonst hätte Idealismus auch nicht über Verstand triumphiert.

Anders in Bochum: Als die Loveparade 2009 wegen Sicherheitsbedenken abgesagt wurde, hagelte es massenweise Kritik gegen Bürgermeisterin Scholz. Doch wer hätte gedacht, dass ihre damalige Entscheidung ihr heute praktisch als Glanzauszeichnung der Standhaftigkeit und des Verantwortungsbewusstseins zugetragen wird?

“In den Gesprächen mit Polizei, Feuerwehr und der Bahn wurde deutlich, dass wir das nicht hinkriegen können. Selbst wenn wir die Zahl der Besucher runtergerechnet hätten. Die Leute hätten nicht alle in die Stadt gepasst. Punkt.”

– Ottilie Scholz (SPD) zu Spiegel Online

Wie jetzt bekannt wurde, werden Unterlagen betreffend des Unglücks sogar vehement unter Verschluss gehalten. OB Sauerland hat gegen den Blog Xtranews sogar eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung der Anlagen die zum offiziellen Zwischenbericht der Stadt Duisburg gehören erhoben, die ihm womöglich einen der bisher größten Image-Schäden zufügen könnten. Durch Erlassung der einstweiligen Verfügung der Stadt Duisburg vertreten durch Adolf Sauerland hat man aber genau das Gegenteil erreicht. Seit Bekanntwerden hat sich ein Streisand-Effekt zugetragen (kurz: durch Unterdrücken von Information erlangt diese reges Interesse).

Sauerland machte sich seit dem Vorfall allgegenwärtig unbeliebt. Verständlicherweise: Er verschanzt sich geduldig im Rathaus, gibt persönliche Stellungnahmen nur noch schriftlich ab und hielt sich auch vom Trauergottesdienst fern (vermutlich auch besser für ihn). Selbst aus den eigenen Reihen (CDU) wurde er aufgefordert sein Amt niederzulegen. Seine Fassade bröckelt immer mehr und langsam dürfte ersichtlich werden, dass es da etwas gibt, das niemand wissen soll. Von einem angehörigen der CDU erwarte ich allerdings aber auch nichts anderes als ein solches Schmierentheater. Und selbst wenn er sein Amt niederlegen sollte: Das von ihm bevorzugte Abwahlverfahren bewirkt, dass er seine Pensionsansprüche weiterhin geltend machen kann, also auch noch fett abkassiert, wenn er geht! Und wie ich die Lage momentan einschätze, wird es auch so kommen. Ist aber auch nichts Neues, nur diesmal in Form eines Politikers statt eines Managers. Nun ja… Bürgermeister sind ja insofern Manager einer Stadt, also auch nicht weiter verwunderlich.

Auch die Polizei Duisburg, die dortige Staatsanwaltschaft, als auch die Polizei Köln hüllen sich in Schweigen und wollen keine konkreten Infos oder Sachverhalte herausgeben. Auch nicht bei Berufung auf Gesetze, die sowohl für natürliche als auch juristische Personen separat formuliert sind. Stattdessen wird sich mit Gegengesetzen herausgeredet und weiter geschwiegen. Und nebenbei besteht auch Unklarheit über den exakten Aufenthaltsort des besagten Infomaterials. Es ist das klassische Chaos der Bürokratie.

Apropos Chaos: Die von Xtranews zuvor herausgegebenen Anlagen (die durch den Streisand-Effekt nun praktisch an jeder Ecke zu haben sein dürften) sollen eindeutig belegen können, dass Sauerland schon vorher über das Chaos der Organisation der Loveparade in Duisburg bescheid gewusst haben soll. Träfe dies zu, rückt die ganze Tragödie in ein neues Licht. Es würde nämlich bedeuten, dass die Stadt wohlwissentlich Risiken in kauf genommen hat. Es wurden genau die Vorschriften missachtet, mit denen alles verhindert werden konnte. Doch ich bin sicher nicht allein mit der Meinung, dass es hierbei nicht um Spaß am gemeinsamen Feiern ging, sondern rein um Geld. Warum sonst würde es zu einer derart abartigen Vertuschungsaktion kommen, in der niemand Schuld haben will?

Am tragischsten für viele Anhänger der Loveparade war aber sicherlich die Meldung, dass es keine weiteren Loveparades mehr geben wird, aus Angst, das geschehene würde sämtliche weitere Loveparades überschatten. Dagegen hielten in München die irische Band U2. Der Leadsänger Bono plädierte, dass das Festival wegen des Vorfalls weiter abgehalten werden sollte. Die “Freude an der Musik und Kultur” solle hier nicht untergehen.

Weblinks

Loveparade-Gutachten: Die Sache mit den Fluchtwegen – Xtranews
Lageplan der Loveparade 2010 Duisburg – Spiegel Online
Adolf Sauerland (CDU), Duisburgs Oberbürgermeister, mahnt Blog wegen der Veröffentlichung von Loveparade-Gutachten ab – Pottblog

Deutschland auf Abwegen

Wo ist die TÜR? Ich muss hier raus!

Die letzten Entwicklungen in der “Verbotspolitik” hier in Deutschland lässt mich zurzeit lachen, weinen und verzweifeln. Kaum ist die Diskussion um die Netzsperren wieder abgeklungen, schon werden wieder die Diskussionen angeheizt, man solle diese Sperren auch gegen “Killerspiele” nutzen. Was erhoffen sich unsere Politiker davon? Weniger Amokläufe? Da kann ich denen auch ohne Psychologie-Studium sagen, dass die Rechnung weniger als 0 ergibt. Wie kann es sein, dass selbst die Meinungen von Fachleuten außer Acht gelassen wird?

Die sogenannten “Killerspiele” machen keine Amokläufer! Es wurde schon so oft bewiesen, dass das Umfeld in dem man aufwächst um einiges mehr entscheidend ist! Hänseleien, Depressionen, Groll, Armut, Arbeitslosigkeit, schlechte Ausbildung… DAS sind die Gründe wegen denen man den Verstand verlieren könnte. Damit aber nicht genug: unsere ach so schlauen Politiker wollen immer die dumme Bevölkerung mit Verboten lenken und leiten. Für mich ist das keine Art ein Land zu regieren, sondern das Denken für andere übernehmen und ich weiß selbst aus eigener Erfahrung wie schnell sowas in die Hose gehen kann!

Der Vorfall von Winnenden sollte Hauptgrund für das erneute aufflammen der Debatte sein. Wobei hier auch nur wieder nach einem schwarzen Schaf gesucht wurde – und das Fand sich nun mal wieder in den bösen, bösen Killerspielen. Jedoch wird dabei außer Acht gelassen, wie es dazu kommen konnte. Berichte belegen: die Waffe war nicht ordnungsgemäß in einem Tresor verwahrt, sondern lediglich im Nachtschrank nebst Munition im Elternschlafzimmer verstaut. Nach dem Amoklauf wurden auch zahlreiche Waffen von mehreren Leuten im Ort wieder abgegeben. Wenn schon eine ganze Stadt bewaffnet ist, wen wundert es dann auch, dass früher oder später so etwas passiert? Vor allem, wenn man noch den Schützenverein besucht?

Und wer mal in einer ruhigen Minute genau drüber nachdenkt: Waren als Kind Verbote für uns nicht immer ein Anreiz dafür es trotzdem irgendwie auszuprobieren? Nun, das ändert sich auch sonst nicht. Wenn unsere Politiker echt vorhaben, alles kurzerhand zu verbieten, was sie als Ursache sehen, dann war er doch wieder nur Symptombekämpfung, aber das Problem wurde wieder mal nicht an der Wurzel gepackt.

Auf der anderen Seite sollte man auch nicht vergessen, dass die USK manchmal keine Ahnung von dem hat, was sie bewertet. Und es hört dort noch nicht einmal auf. Eltern kaufen ihren Sprösslingen sinnfrei irgendwelche Spiele und setzen sich mit deren Inhalten nicht weiter auseinander. Da kann die USK die Logos sogar über das ganze Cover ziehen, an die Spiele wird trotzdem rangekommen. Gerade Eltern sollten – wie es sich eigentlich gehört – hinter ihren Kindern sitzen und sich ein bisschen anschauen, was sie in ihrer Freizeit spielen.

Unterm Strich bleib aber nach wie vor, dass Erziehung daheim stattfinden müsste, unsere Politiker aber das übernehmen wollen, was offensichtlich ein Schuss nach hinten ist. Deutschlands Zukunft sieht düster aus mit einer solchen Inkompetenz an der Spitze. Sollten Netzsperren wirklich durchgesetzt werden, dann haben wir bald sowas wie Stasi 2.0 und dann fehlen nur noch erlaubte PC-Durchsuchungen, die dann im Endeffekt auch keiner mehr überwachen darf (per Gesetzesentwurf).

Weblinks

Winfuture.de – CDU-Abgeordneter: Netzsperren gegen Onlinespiele
Winfuture.de – Wissenschaftler: "Computerspiele nicht verteufeln"
Focus.de – Winnenden: Rätsel um Amokläufer-Munition
Spiegel.de – Amoklauf: Tims Vater will seine Waffen abgeben